休暇中いろいろなメールをいただきました。心から有難うございました。
いろいろなコメントをこれから考えてみたいと思います。一つのことが昨年の 夏休みの時と同じように出たのだが、大使日記をドイツ語でも読みたいということでした。毎日日本語で書いて、それを後でドイツ語に翻訳するのは、もちろん 時間がかかるので無理です。理解していただけますか?
でも一つだけできると思います。これから週末の分を翌日に同じ内容でドイツ語でもう一度書きます。どうでしょうか。一度やってみましょう。

In der Vergangenheit habe ich gelegentlich vor dem Mangement-Seminar der Tokio-Uni gesprochen. Normalerweise habe ich über die gegenwärtige Lage in Europa oder ähnliches geredet, und weil es dem Englischunterricht der Teilnehmer dienen sollte, auf Englisch. Heute habe ich das auch wieder getan, weil aber heute der Abschluss des Programms stattfindet, bin ich gebeten worden, auch die Keynote-Speech zu übernehmen. Das Thema "Was ist heute Führung?" ist hochinteressant.

Es gibt beispielsweise die Geschichte vom Streitwagen des phrygischen Königs Gordios, dessen Deichsel durch einen komplizierten Knoten mit dem Joch verbunden war. Nach einem Orakelspruch würde derjenige, der den Knoten lösen konnte, Asien beherrschen. Alexander der Große schlug den Knoten mit seinem Schwert durch und begeisterte dadurch seine Soldaten so sehr, dass sie ihm auf seinem Eroberungszug bis nach Indien folgten.

Das ist eine bekannte Erzählung und sie stellt wohl das dar, was man traditionelle Führungsfähigkeit nennen könnte. Das ist kein Modell für heute. Heute ist durch die Kommunikationsrevolution die gemeinsame Basis zwischen Führenden und Geführten erschüttert. Die Informationsanalyse ist höchst kompliziert geworden und das hat zu einer Situation geführt, wo man oft sagen kann, dass es fast egal ist, ob es noch jemanden gibt, der "führt" oder nicht. Der Computer gibt eine Antwort auf die komplexesten Fragen, so dass andere Urteile oder Wahlmöglichkeiten nicht mehr in Frage kommen. Haben dann die Entschlossenheit, die schöpferische Kraft, die Beharrlichkeit, das Charisma überhaupt noch einen Nutzen?

Andererseits, wer wollte heute noch bestreiten, dass die Weltwirtschafts- und Finanzkrise von 2008/9 aus ungenügenden Erkenntnissen und überzogenem Selbstvertrauen entstanden ist?
Ich meine, dass Führungsfähigkeit heute von Urteilskraft abhängt. Ein richtiges Urteil zu fällen ist keine leichte Angelegenheit. Dieser Blog ist nicht der Ort für eine Keynote-Speech, doch möchte ich diesen Punkt auch hier irgendwann einmal näher erläutern.

Auf jeden Fall muss ich der Tokio-Uni dankbar sein. Sie hat mich zum Nachdenken über ein Problem gebracht, das für unsere Zukunft wichtig ist.
PS: Übrigens hat die Tokio-Uni zum Abendessen ganz vorzüglichen deutschen Wein serviert!